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Dr. h.c. Karl-Peter Winters

ARSV - die Vereinigung der rechts- und staatswissenschaftlichen Verlage im deutschsprachigen Raum
Eine einführende Darstellung von Karl-Peter Winters aus der ARSV-Broschüre 2000

Recht, Wirtschaft und Steuern (im Branchenkürzel: RWS) haben als Verlagsgegenstand mit der zunehmenden Professionalisierung der Freien Berufe in diesem Bereich erheblich an Bedeutung und Wachstum gewonnen. Die Zunahme der Publikationen, von Büchern über Loseblattwerke bis hin zu Zeitschriften, ist den Fachleuten geläufig, den Zielgruppen und Lesern erscheint sie wie eine Flut, der man kaum entrinnen kann und gegen die Dämme errichtet werden müssen.

Grund für diese Entwicklung sind aber nicht die RWS-Verleger, auch wenn sie auf die wachsende Komplexität rechtlicher wie steuerlicher Probleme reagieren und durch entsprechende Publikationen dieser Komplexität Rechnung tragen. Einige Zahlen mögen verdeutlichen, daß und in welchem Umfang Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verwaltung zum Wachstum der RWS-Publikationen beigetragen haben:

- Die Seitenzahl des Bundesgesetzblattes
hat sich von 2356 Seiten im Jahre 1980 auf 4072 Seiten im Jahre 1998 gesteigert. Erstmals war 1994 die Zahl von 4000 Seiten erreicht, nachdem im Jahre 1990 schon 3000 Seiten überschritten worden waren.

- Die Zahl der veröffentlichten Gesetze und Verordnungen ist seit 1989 angestiegen; vor allem zum Ende einer Legislaturperiode, also in Wahljahren. Der Anstieg ist aber nicht so dramatisch, wie dies das Anwachsen des Umfanges des Bundesgesetzblattes erwarten ließe.

- Die Zahl der gerichtlichen Verfahren ist - trotz entsprechender Verfahrensreformen und Beschleunigungsmaßnahmen - weiterhin angestiegen. Allein 1998 waren in der Bundesrepublik Deutschland über
2 Mio. erledigte erstinstanzliche Verfahren in der Zivilgerichtsbarkeit zu verzeichnen.

Diese Zahlen belegen auch, daß die RWS-Verlage mit der zunehmenden Zahl ihrer Publikationen und Periodika nur auf die "Rechtsproduktion" der staatlichen Organe reagieren. Je komplexer das Recht, desto stärker die Nachfrage nach Literatur, die diese Komplexität erläutert oder durchschau-bar macht. Es ist aber nicht nur die Zahl der Gesetze, Gerichtsurteile und Verwaltungsentscheidungen, es ist auch die ständig sich verkürzende "Halbwertzeit" von Gesetzen, Urteilen und Erlassen, die sich in immer neuen Publikationen und schnelleren Auflagen, nicht zuletzt von Standardwerken, niederschlägt. Es ist also gleichermaßen die Zahl der Neuerscheinungen wie die Zahl der Neuauflagen, die zunimmt; und wiederum bedingt sich beides.

Auch die wachsende Zahl der Berufsträger in rechts-, steuer- und wirtschaftsberatenden Berufen zeigt an, daß die zunehmende Verrechtlichung des Lebens das Bedürfnis nach "Pfadfindern" in diesem Bereich gefördert hat. Die Komplexität der Probleme im Bereich Recht, Wirtschaft und Steuern hat in den letzten Jahrzehnten auch die Zahl von Rechtsanwälten, Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern überproportional anwachsen lassen auf Grund der Wiedervereinigung nicht zuletzt auch in den neuen Bundeslän-dern hinzugekommen.

Bei Rechtsanwälten, Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern sind die Zahlen für die Berufsträger explodiert:
Von 1987 bis 1999 ist die Zahl der Rechtsanwälte von 50.247 auf 97.876 angestiegen; die Zahl der Steuerberater hat sich 1987 von 35.409 auf 55.877 im Jahre 1998 erhöht; sogar die Zahl der Wirtschaftsprüfer, deren Berufszugang durch entsprechende Hürden erschwert ist, ist von 6.006 im Jahre 1989 auf 9.984 zum 1.1.2000 angewachsen.

Es liegt nahe, daß durch das Wachstum der Zielgruppen zugleich auch der Markt für die RWS-Verlage attraktiver geworden ist. Dies schlägt sich natürlich auch in zahlreichen Publikationen nieder, weil nur auf diese Weise ermittelt werden kann, welche Publikationen die Bedürfnisse der Zielgruppen in besonderer Weise erfüllen.

Seit der 7., der letzten Ausgabe der ARSV-Broschüre sind fast sechs Jahre verstrichen. In diesem Zeitraum hat sich, nicht nur für RWS-Verlage, die Welt des Publizierens rasant verändert. Hatten sich Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre die RWS-Verlage langsam auf das neue Medium CD-ROM eingerichtet, mußten sie Mitte der 90er Jahre schon umdenken: Die Vorboten des Internets machten darauf aufmerksam, daß auch das Medium CD-ROM nur eine Übergangserscheinung sein könnte. Zum Beginn des Jahres 2000 scheint festzustehen, daß das Internet auch die Verlagstätigkeit im RWS-Bereich nachhaltig verändern wird. Das Tempo der Informationsvermittlung an die Leser, wie es sich beispielsweise in der immer kürzer werdenden Frequenz der Fachzeitschriften im letzten Jahrzehnt angedeutet hat, wird sich durch das Internet weiterhin beschleunigen. In gleicher Weise ist es die Spezialisierung der Zielgruppen, die mit entsprechender Segmentierung des Wissens und der Tiefe der Information ein immer differenzierteres Angebot der RWS-Verlage zur Folge haben wird.

Der unsichere Blick in die Zukunft verlangt nach einem sicheren Blick in die Vergangenheit. Die RWS-Verlage, zu Beginn dieses Jahrhunderts eher als rechts- und staatswis-senschaftliche Verlage bezeichnet, haben schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Notwendigkeit gesehen, ihre Interessen gemeinsam zur Geltung zu bringen. Schon im Jahre 1910 haben sie sich in der Arbeits-gemeinschaft rechts- und staatswissenschaftlicher Verleger (ARSV) zusamengeschlossen. § 1 der Satzung lautete damals: "Die Vereinigung rechts- und staatswissenschaftlicher Verleger bezweckt, durch einen engeren Zusammenschluß die gemeinschaftlichen Berufs- und Standesinteressen ihrer Mit-glieder nach innen und außen zu wahren und zu fördern, gemeinsame Schritte bei allen den juristischen Verlag gleichmäßig betreffenden Fragen zu beraten und durch-zuführen". Am Beginn der Vereinigung standen die Namen Oscar Schuchardt (Verlag I. Guttentag) und Arthur Sellier sen. (J. Schweit-zer Verlag); dessen Sohn, Dr. h.c. Arthur Sellier (J. Schweitzer Verlag), übernahm 1930 den Vorsitz und begründete die ARSV nach dem Zweiten Weltkrieg 1955 am Sitz des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Frankfurt a.M., zusammen mit elf anderen Verlegern wieder neu. Dabei wurde zugleich beschlossen, den seinerzeit exklusiven und bewußt klein gehaltenen Mitgliederkreis für die Mitgliedschaft weiterer Verleger zu öffnen. Unter dem Vorsitz von Dr. Helmut Simons (1956 bis 1966 - Verlag Dr. Otto Schmidt KG) fanden sich schließlich etwa 30 Verleger zusammen. Von 1966 bis 1980 war Dr. jur. Arthur L. Sellier (J. Schweitzer Verlag - Enkel und Sohn der vorgenannten Herren Sellier), von 1980 bis 1992 war Dr. jur. Hans-Martin Schmidt (Verlag Dr. Otto Schmidt KG) und von 1992 bis 1999
Dr. jur. h.c. Volker Schwarz (Nomos Verlag) Vorsitzender der Vereinigung.

Parallel zur ARSV entstand in den 70er Jahren, hervorgerufen durch die juristische Datenbank Juris GmbH der Bundesrepublik Deutschland, die Verlegervereinigung Rechtsinformatik e.V. (VRI), die sich allen Fragen der Rechtsdokumentation mit Hilfe elektronischer Medien sowie damit in Zusammenhang stehender urheber- und verlagsrechtlicher Fragen widmete. Aus den Reihen der Mitglieder der Verlegervereinigung Rechtsinformatik sind auch die Mitglieder der Verlegervereinigung hervorgegangen, die sich als "Verlegervereinigung Rechtsinformatik GbR" an der Juris GmbH beteiligten.

Das Nebeneinander von ARSV und VRI ist 1999 zu Ende gegangen. ARSV und VRI haben sich, im Wege der Satzungsänderung der VRI, 1999 in einer Vereinigung zusammengeschlossen. Damit hat sich die ARSV von einer Vereinigung von Verlegern zu einem Verband von RWS-Verlagen gewandelt. Mit dieser Veränderung zeigt sich, daß auch und gerade im RWS-Bereich die Persönlichkeit des Verlegers mehr in den Hintergrund tritt und das Verlagsunternehmen, geführt von ökonomisch ausgebildeten Verlagsmanagern, die Bühne betritt. Darin spiegelt sich sicher auch die beginnende Internationalisierung der national geprägten RWS-Verlage. Recht, Wirtschaft und Steuern sind, trotz Europäisierung und Internationalisierung, zu einem wesentlichen Teil eben nach wie vor nationale Gegenstände. Dies erklärt auch, warum gerade im RWS-Bereich national geprägte Familienunternehmen nach wie vor einen wesentlichen Teil des Marktes abdecken.

Ob national oder international, die RWS-Verlage haben nach wie vor elementare gemeinschaftliche Interessen. Die Aus-schreibung staatlicher Intranets, der Zugang zu staatlichen Informationen (Gesetze, Urteile und Erlasse) in elektronischer Form, die Privatisierung der Juris GmbH, die Gestaltung des Urheber- und Verlagsrechtes, der Aufbau von staatlichen Datenbanken mit gemeinfreien Texten; es gibt genügend Entwicklungen, die man aus ordnungspolitischer Sicht kommentieren muß.

Dreiundvierzig RWS-Verlage stellen sich
in dieser Broschüre vor. Die Bandbreite dieser Verlage hebt hervor, daß marktwirtschaftlich organisierte Verlage ein vollständiges, differenziertes und unabhängiges Informationsangebot gewährleisten. Nur der Wettbewerb der RWS-Verlage stellt sicher, daß nicht nur keine Informationen verlorengehen, sondern sie vor allem so präsentiert werden, daß sie für die Nutzer verständlich und verwertbar sind.

Köln, im Mai 2000

Karl-Peter Winters
Ehemaliger Vorsitzender der ARSV





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